Die Scheiblingsteiner Siedlung gehörte viele Jahrhunderte lang zum Pfarrgebiet von Weidling und somit zum Bereich des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Nachdem im Jänner 1795 eine auf dem Scheiblingstein lebende Dienstmagd „wegen ungeheurer Schneemassen“ nicht versehen werden konnte, haben ähnliche Vorkommnisse dazu geführt, dass der Ort Scheiblingstein wegen zu weiter Entfernung im Jahre 1807 von Weidling „ausgepfarrt“ und der Pfarre Mauerbach angeschlossen wurde. Allerdings ist auch diese – wie Weidling – 11km vom Scheiblingstein entfernt!
 
Die große Distanz zu den nächst gelegenen Kirchen ließ den Ruf nach einem eigenen Gotteshaus auf dem Scheiblingstein immer lauter werden. Cäcilia Pressberger, die schon mit ihrem Mann, Dipl. Ing. Hans Pressberger, zu den Initiatoren bei der Elektrifizierung der Siedlung gezählt hatte, fand im Herbst 1953 bei Kardinal Dr. Theodor Innitzer Verständnis und volle Unterstützung für den Kirchenbau. Er verwies sie an Dechant Karl Mühldorf, einen heimatvertriebenen Priester aus dem Sudentenland, der damals gerade begonnen hatte, in Steinbach, einem Ortsteil von Mauerbach, eine Expositur aufzubauen und die Kirche Maria Rast zu errichten. Dieser ambitionierte Priester erklärte sich unverzüglich bereit, daneben auch die Verantwortung für die Errichtung unserer Kapelle auf dem Scheiblingstein zu übernehmen.
 
Im November 1953 wurde im Gasthaus Vogel am Scheiblingstein eine Versammlung abgehalten, zu der sich fast alle Siedler einfanden und einstimmig den Bau der Sankt-Hubertus-Kapelle beschlossen.
 
Ermöglicht wurde die Finanzierung der Baukosten durch Veranstaltungen, wie Film- und Theateraufführungen, durch Spendenaufrufe, den Verkauf von Hubertus-Medaillen und Hubertus-Talern, durch Sponsoren, vor allem durch die „Stiftung der Jägerschaft und Wirtschaft“ unter dem Präsidenten, Stadtrat und späteren Vizebürgermeister Kommerzialrat Karl Lakowitsch, aber auch durch einen Beitrag der Erzdiözese Wien und vor allem durch große Eigenleistungen der Scheiblingsteiner in Form von Geldspenden und unzähligen, unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden.
 
Das Grundstück für die Kirche, ein 405 m² großer ehemaliger Holzlagerplatz, konnte von den Bundesforsten auf 99 Jahre gepachtet werden. Mit dem Bau des Gotteshauses wurde Stadtbaumeister E. Demel’s Erben, Wien, beauftragt; den Plan verfasste Dipl. Ing. Karl Häckl. Am 11. Juli 1954 fand die Grundsteinlegung statt, bei der Kardinal Innitzer durch Prälat Jakob Fried und Monsignore Alois Pennal vertreten wurde. Den Ehrenschutz für das Bauvorhaben übernahmen der Außenminister Dipl. Ing. Dr.h.c. Leopold Figl und der Wiener Amtsführende Stadtrat Kommerzialrat Karl Lakowitsch.
 
Vor dem Wintereinbruch war der Rohbau fertig. Am 24. Dezember 1954 fand in der noch nicht fertig gestellten, nicht sakralisierten Kirche bereits eine bescheidene Weihnachtsmette statt. Im Frühsommer 1955 wurde der Bau vollendet.
 
Das 13 x 7 m große Kirchlein hat zirka 50 Sitzplätze und eine Empore; die Sakristei befindet sich hinter der Altarwand. Die Fenster wurden von der akademischen Malerin Lucia Jirgal aus Wien entworfen und von der Firma Carl Geyling’s Erben ebenfalls in Wien hergestellt und montiert.
 
Für die Gesamtkosten von damals insgesamt rund ATS 275.000,-- leistete die Erzdiözese Wien ATS 81.000.- , weitere ATS 106.000.- spendeten die Scheiblingsteiner; ATS 88.000.- wurden von Sponsoren für die Fenster, die Altarrückwand aus venezianischem Glas, sowie für das Altargitter aus Schmiedeeisen aufgebracht.
 
Am 3. Juli 1955 fand die feierliche Einweihung der Kirche durch den Wiener Erzbischof, Kardinal Dr. Theodor Innitzer, statt. Die Wiener Sängerknaben unter der Leitung von Gerhard Track sorgten für die festliche musikalische Umrahmung.
 
Im Jahre 1979 konnte beim Vorarlberger Orgelhersteller Rieger eine Pfeifenorgel bestellt und auf der Empore aufgestellt werden, die seither fast jeden Sonn- und Feiertag von Prof. Dr. Xaver Meyer (in Abwesenheit vertreten von Prof. Mag. Helga Wagner-Meyer oder von Dr. Hans Turner) zum Klingen gebracht wird. Im Jahre 2003 erfolgte nach Plänen von Mag. Heinz Ebner, der auch die künstlerische Gestaltung übernommen hatte, die Errichtung eines Volksaltares und der Umbau der Kirche. Der feierliche Gottesdienst mit der Segnung des Volksaltares wurde am 3. November 2003 von Generalabt Bernhard Backovsky zelebriert. Das 50-jährige Kirchweihjubiläum durften wir ca. eineinhalb Jahre später (am 26. Juni 2005) mit Erzbischof Kardinal Dr. Christoph Schönborn feiern.
Bis zu ihrem Tod im Jahre 1998 war Cäcilia Pressberger, unterstützt von ihrer Tochter Traude, das Herz der Kirche in Scheiblingstein. Ab dem Jahre 1978 stand ihr ein Pfarrgemeinderat zur Seite. Stellvertr. Vorsitzender des Pfarrgemeinderates von 1978 bis 2007 war Peter Angermair. Seit der letzten Wahl im Jahre 2012 setzt sich der Pfarrgemeinderat aus folgenden Personen zusammen: P. Sepp Froschauer (Vorsitzender), Ursula Kohut (Stellvertr. Vorsitzende), Roland Domele (Schriftführer), Mag. Elisabeth Mühlbacher, Traude Pressberger & Mag. Alfred Wimmer.
 
Mit Wirksamkeit vom 1. Oktober 2012 wurde die Teilgemeinde Scheiblingstein, gemäß Dekret von Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien, von der Pfarre Maria Rast, Dekanat Purkersdorf, getrennt und der Pfarre Weidling, Dekanat Klosterneuburg, zugeteilt.
 
Am 23. September 2012 verabschiedeten wir uns von P. Sepp Froschauer, der 42 Jahre lang in Scheiblingstein als Seelsorger, die letzten 15 Jahre als Pfarrmoderator, gewirkt hat, und in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist.

Am 7. Oktober stellte in Rahmen einer Festmesse Abtprimas Bernhard Backovsky Herrn Simon Nguyen, CanReg, als Kirchenrektor von St. Hubertus-Scheiblingstein vor.
 
Peter Angermair
 
 
oben